andrea's blog

Sep
15

Gut gemeint? Zusatzförderung für freie Lizenzen der Stadt Linz bei Kulturprojekten

Schon eine Weile fördert die Stadt Linz Kunstprojekte, deren digitale Produkte unter einer freien Lizenz veröffentlich werden, mit einer Zusatzförderung von 10%. Eine gute Sache, würde ich ansich mal sagen, und das passt auch hervorragend ins Bild der Open Commons Region Linz. Severin Mayr, Gemeinderat der Grünen, hat nun mittels einer Anfrage im Gemeinderat nachgefragt, wie denn diese Initaitive so genutzt werden. Das Ergebnis ist ernüchternd:

Das Positive zuerst: Alle Anträge auf Sonderförderung wurden genehmigt. Die Einschränkung: Es gab bislang laut Anfragebeantwortung erst 8 Ansuchen (2009: 2; 2010: 0;2011: 6). Insgesamt wurden seit 2009 ganze 660 Euro an zusätzlicher Förderung für unter eine Freien Lizenz veröffentlichte Kunst- und Kulturprojekte ausgeschüttet.

Severin hat sicher recht, dass es Sinn machen würde, wenn die Stadt diese Möglichkeit aktiver bewirbt. Ich leiste da ja jetzt auch gleich noch einen Betrag dazu, indem ich darüber blogge ;-) Zusätzlich glaube ich aber, dass diese Zusatzförderung auch seitens der Kulturpolitik und -verwaltung noch nicht wirklich durchdacht ist.

Das derzeit geltende Urheberrecht macht es manchen KünstlerInnen einfach gar nicht möglich diese Förderung zu nutzen, weil sie vertraglich exklusiv z.B. an die AKM gebunden sind und daraus auch für sie relevante Einnahmen generieren. Da geht es dann - so wie ich das als Nicht-Juristin verstehe - gar nicht, ein einzelnes Werk unter eine CC-Lizenz zu stellen. Alles oder gar nichts ist die Devise. Dieser Umstand ist aber zugegebenermassen von der Stadt Linz kurzfristig nicht zu ändern, die Creative Commons Initiative zeigt, dass da durchaus auch auf politischer Ebene darüber nachgedacht wird, ob das Urheberrecht heute noch zeitgemäß ist oder eher ein Relikt aus dem vorherigen Jahrhundert. Sinnvoll wäre es meines Erachtens hier stärker in den Service- und Beratungssbereich zu investieren. Im Dschungel des Urheberrechts brauchen Kulturschaffende Unterstützung, um herauszufinden, was für sie persönlich unter den gegebenen Umständen Sinn macht. Derzeit wüsste ich nicht, wo ich da in Linz mit Fragen hingehe, außer vielleicht zur KUPF, die aber ja eigentlich für die Kulturvereine und nicht EinzelkünstlerInnen zuständig ist. Das müßte ja auch nicht unbedingt die Stadt selbst machen, sondern gerade die KUPF zeigt, dass auch für so praktische Dinge selbstorganisierte Zusammenhänge am besten funktionieren - dann, wenn sie dafür auch entsprechende öffentliche Förderungen bekommen und so etwas auch professionell leisten können.

Der zweite Aspekt, wo die Kulturverantwortlichen Handlungsbedarf hätten, liegt sehr wohl im eigenen Bereich der Stadt. In den Informationen zur Förderung ist zwar angeführt, welche Medien davon profitieren könnten, doch ist mir völlig unklar wie die kontextbezogene Einbindung in künstlerisch-kulturelle Projekte oder auch die Jahrestätigkeit von Kulturvereinen ausschaut. Ein guter Teil kreativer, digitaler Produkte entsteht in Prozessen, beispielsweise wird in Workshops gemeinsam produziert oder die Dokumentation eines Kunstprojekts erfolgt mittels unterschiedlicher Medien. Wie schaut das dann aus? Was wird dann gefördert? Der ganze Projektprozess oder nur bspw. die unter CC-Lizenz erscheinende Publikation? Wie läuft dann das Förderverfahren? So lange das nicht wirklich klar geklärt und kommuniziert ist, werden mache sich wohl denken, das lohnt sowieso nicht, denn dass Kulturförderungen der Stadt sowieso immer eher gering ausfallen (Ausnahmen bestätigen die Regel!), ist bekannt.

Und was ist eigentlich mit servus.at, jener Initiative, die seit Jahren selbst konsequent auf freie Software setzt und aktiv die Produktion freien Contents in der Kultur-Szene unterstützt? Wenn ich nicht den Buchstaben der Förderrichtlinie folge, sondern der eigentlichen verkündeten Intention, freie kreative Inhalte mehr zu unterstützen, müßte die Stadt gerade da mehr investieren. Die Förderungen der Stadt für servus.at sind aber mehr schlecht als recht, seit Jahren.

Handlungsbedarf! Definitiv Handlungsbedarf, würde ich sagen. Sonst schreibe ich bei nächster Gelegenheit keinen Blogbeitrag mehr über eine ansich gute Sache, sondern über eine Alibiaktion, die noch dazu billig hergeht mit € 660.- in drei Jahren. Bleibt nur noch die Frage, wer das hier überhaupt liest ;-)

Sep
15

Dein Online-Ich geht sich bewerben ...

Du lachst? Vielleicht nicht mehr, wenn Dir das passiert! (via)

Sep
13

"Diese Zeiten liegen hinter uns, wo Dinge einfach ausgeblendet werden, nur weil sie uns nicht gefallen"

Ich möchte nur kurz auf diesen wunderbaren Blogeintrag von Philaeus, der sich selbst als Atheist bezeichnet, hinweisen. Auch wenn ich nicht alles 100%ig genau so sehe, ist es wirklich eine Freude so eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema Religion im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu lesen. Da gehts lang: Re: "Religion und ORF" - Der kleine Unterschied zwischen Religionsfeindlichkeit und sachlicher Kritik

Sep
13

Regendering Media: Geschlechterkonstruktionen im Internet

Ich habe wieder mal das Vergnügen, aus einer feministischen Perspektive über das Internet zu diskutieren. Im Rahmen des Projekts Regendering Media geht es am Mittwoch, 14. September ab 20:00 um Geschlechterkonstruktionen im Internet. Die Diskussion wird im Studio von Dorf TV stattfinden, mit Live Übertragung auf Radio Fro 105,0 MHz.
Ich möchte einige interessante Beispiele aus dem Bereich Social Media einbringen, mich aber vor allem auch damit beschäftigen, dass der Gender-Gap im Internet vor allem ein Alters-Gap ist. Dazu gibt es aber dann voraussichtlich sowieso hintennach einen eigenen Blogeintrag ;-)

Viele Zuschreibungen und Erwartungshaltungen gegenüber dem einen oder anderen Geschlecht werden immer noch als selbstverständlich vorausgesetzt. Wie kann eine breite Infragestellung dieser Vorstellungen bei einem möglichst breiten Publikum, jenseits von TheoretikerInnen und AktivistInnen erreichet werden? Was braucht es um die Gender-Thematik wieder „sexy“ zu machen und gängige Geschlechterkonstruktionen, die in vielen Massenmedien transportiert werden, aufzulösen?

„Regendering Media“ befasst sich mit dem Geschlechterdiskurs in den Medien und besteht aus zwei Gesprächsrunden, davon eine in Linz und eine in Wien, einer Plakataktion im Wiener Resselpark und einem Printprojekt. Aufbauend auf einer Recherchephase in Form von ExpertInnengesprächen wird versucht mit den Mitteln der Kunst einen aktivistischen Akzent in der Öffenlichkeit zu setzen.

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Aug
28

@andreame als Twitter-Infografik

Via punktefrau bzw. Scoop.it habe ich gerade das Tool visual.ly entdeckt, welches für den eigenen Twitteraccount eine Infografik erstellt. Dass "der/die/das" & Co. meine Lieblingsworte auf Twitter sind, stört mich ja weniger und mag der Tatsache geschuldet sein, dass das Tool halt englisch ist. Aber dürrer als eine Barbiepuppe war ich nie im Leben und werde ich auch nie und nimmer sein ;-) Trotzdem: nettes Ding, wo ich weiss, dass sicher der eine oder die andere das mal gerne ausprobiert.

Aug
28

Create your world!?

Otelo organisiert im Rahmen der Ars Electronica ein Barcamp und lädt zur Blogparade. Das Thema des ganzen Events ist Create your World, es ist die Jugendschiene der Ars.

Als Theologin ist dieser Slogan "Create your World" einer, der mich aufmerken lässt. Wirklich? Kreiieren wir die Welt - oder ist diese Welt nicht vielmehr von Gott geschaffen* und ein Geschenk an uns Menschen? Ich denke dann aber gleich an Dorothee Sölle und ihre Rede von den Mit-Schöpfer_innen, die wir Menschen sind und werde gleich versöhnter. Gott hat uns die Welt nicht gegeben, um passiv zu sein, sondern um sie zu gestalten. Und wie wir das tun, ist überhaupt nicht wurscht, sondern das das alles hat etwas mit dem guten Leben für alle Menschen zu tun. Sobald ist daran glaube, dass diese Welt von Gott geschaffen ist, lebe ich anders. Vor allem heisst dann gutes Leben nicht Machbarkeit um jeden Preis, nicht immer noch mehr und mehr, sondern auch mal Innehalten und nachdenken, was da eigentlich passiert und wohin das führt. Und das was wirklich wichtig ist, ist nicht selbstgeschaffen, sondern ein Geschenk. Gnade nennt sich das in theologischer Sprache, die heutzutage furchtbar antiquiert klingt und in so einem Blog wie meinem nur in sanften Dosen verwendbar ist ;-)

In der Blogparade wird gefragt, ob Bloggen und Barcamps die Welt verändern können. Ja, klar. Welche Frage! Interaktive Kommunikation im Internet verändert und Barcamps sind genau aus dieser Kultur des Miteinanders entstanden. Man_frau muss gar nicht nach Ägypten oder China schauen, um zu erkennen, dass der offene Zugang zu Medien Demokratie und Partizipation fördert. Ein Blick aufs Ganze, die Frage nach dem Woher und Wohin, an die uns schon das Wort "Gott" erinnert, ist da durchaus gut, denn das verhindert, dass wir in aller Euphorie all zuviel an Heilserwartung mit dem Internet verbinden und eng im Blickwinkel werden. Create your World gibt es auch ohne Internet ;-)

Aug
23

‎"Großbrittanien hat 15 Jahre Vorsprung im Abbau des Sozialstaats"

Schon über Twitter, Facebook und Google+ weiterverbreitet, aber bloggen muss ich dieses Video auch noch. Andrej Holm analysiert die Riots in Großbrittanien. Ich finde, sehr treffend.

Aug
17

Memento Mori

Jede Photographie ist ein Memento Mori

- Susan Sontag

via Kulturtechno

Aug
6

Erinnerungen an 18 Jahre Mosaic, anlässlich von 20 Jahre WWW

mosaicDas WWW ist heute zwanzig. Da war ich noch nicht dabei, erinnern kann ich mich aber noch an Mosaic, den ersten Webbrowser, gut zwei Jahre später - und an Debatten, ob sich wohl das WWW oder Gopher oder ganz etwas anders durchsetzen wird. Dass sich irgendwas durchsetzen wird, war uns aber schon allen klar oder zumindest wünschten wir uns das.

Meine allerersten Gehversuche in HTML sind auch aus dieser Zeit, damals an der Kepler-Uni. Gecodet habe ich im vi, brav in einer Linux-Shell, was ich aber bis heute nicht wirklich kann ;-) Als es dann plötzlich auch möglich war, den Hintergrund einer Webseite einzufärben und Text zu zentrieren, saß ich ganz begeistert vorm Bildschirm und bewunderte meine Ergebnisse. Falls ich das Sichern hingekriegt hatte, gingen die dann auch gleich online. Unser erster WWW-Server der ÖH Linz war ein 368-er unter Linux, die Jungs waren total stolz auf seine tolle Performance und Uptime - und ich wurde infiziert von den interaktiven Möglichkeiten, die sich da auftaten. Die Mädels waren aber auch ganz wichtig in der Zeit, da gabs es einige, die schon damals nach dem Feminismus im Netz fragten und manchmal auch Konflikte mit den Jungs ausfochten, die meinten, TCP/IP habe eh kein Geschlecht. Einig waren wir uns aber alle, dass das Netz ganz viele Chancen für freie Meinungsäußerung und interaktiven Austausch bietet und dass es dafür offenen Zugang und freie Lizenzen braucht. Wirklich schade, dass die ersten Webseiten nicht erhalten sind, nur spätere sind im Web-Archiv abrufbar.