Karsamstag
28
"Soviel kann ick jar nich fressen, wie ich kotzen möchte"
[Erstveröffentichung auf ThemaTisch]
"Soviel kann ick jar nich fressen, wie ich kotzen möchte" sagte Max Liebermann angesichts von Nazi-Fackelzügen durch das Brandenburger Tor, vor dem ich letzte Woche gestanden bin, im Jahr 1933. Dieser Spruch geht mir seitdem nicht aus dem Sinn, auch wenn jeder Vergleich unangemessen ist. Immer wieder muss ich "Soviel kann ick jar nich fressen, wie ich kotzen möchte" denken, wenn mir der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in den Sinn kommt.
Viel ist dazu schon gesagt worden: Zu Recht wird Aufklärung, Transparenz, Hilfe für die Opfer und Prävention für die Zukunft gefordert. Zu Recht wird nach Strukturen gefragt, die Missbrauch und Gewalt begünstigen. Zu Recht wird die moralische Integrität einer Kirche in Frage gestellt, die zulässt, dass Kinder zu Opfern werden und TäterInnen ungeschoren davon kommen. Zu Recht wird aber auch darauf hingewiesen, dass ein einfacher Schluss vom Zölibat auf Kindesmissbrauch zu kurz greift. Zu Recht verweist die Kirche auch darauf, dass in den letzten 10, 15 Jahren Strukturen entwickelt wurden wie die Ombudsleute in den Diözesen, die Ansprechstellen für die Opfer sind und präventiv wirken sollen. Und, und, und ...
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