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15

Billa kauft sich seine Facebook Fans

"22.626 Personen gefällt das" - Billa. Billa kauft sich gerade mit einer sehr diffizilen Strategie seine Facebook-Fans. Für alle, die auf der neuen Billa-Facebook-Seite auf "Gefällt mir" klicken spendet Billa einen Euro an die Kinderkrebshilfe.

Wer würde da wohl nicht klicken? So einfach war das gute Gewissen selten zu haben ... Niemand muss darüber nachdenken, wie und wo viele Produkte produziert werden, die bei Billa zu kaufen sind. Niemand muss sich fragen, ob die Kassierer_innen und Regalbetreuer_innen gute Arbeitsbedingungen haben. Niemand muss recherchieren, ob es vielleicht soziale Initiativen gäbe, die das Geld nötiger hätten als die von vielen Spendenaktionen überhäufte, politisch ja völlig unverdächtige Kinderkrebshilfe.

Hilfe ist so einfach geworden, einfach nur klicken und vielleicht noch ein paar Worte auf der Pinwand hinterlassen. Und weil ja auch die Freund_innen ein gutes Gewissen haben sollen, die Facebook-Kontakte vielleicht auch einladen ...

Ich klicke nicht auf "Gefällt mir" bei Billa, schreibe diesen Blogeintrag und frage mich, ob ich damit nicht auch schon wieder die Aufmerksamkeit auf dieses Einzelhandelsunternehmen lenke. Das, was sie wollen. Damit alles so bliebt wie es ist. Und weil ja alle ein gutes Gewissen haben, sich auch nichts ändert.

Comments

Submitted by Dyrnberg (not verified) on 15. November 2010 - 12:12.

Ich weiß nicht recht, aber meines Erachtens darf man da mit "gutem Gewissen" drauf klicken, denn ein Klick auf "Gefällt mir" bedeutet ja nicht die völlige, kritiklose Hingabe an einen Konzern.

In diesem Fall instrumentalisiert Billa uns wie wir eben Billa instrumentalisieren. Entstehen soll daraus eine Win-Win (Billa & Kinder) Situation.

Gleichzeitig könnte man ja - mal ins Blaue hinein fabuliert - eine Facebook-Gruppe gründen, in der man eine bessere Bezahlung der Billa-Mitarbeiter oder höhere ökologische Standards von der Supermarkt-Kette fordert.

Das heißt: Man kann ein und denselben Button zweifach klicken. Einmal kritiklos, naiv. Einmal mit kritischer Distanz (und nach der erfolgten Spende ja sogar wieder auf "gefällt mir nicht mehr" klicken.)

Submitted by Stefanie Nußbaumer (not verified) on 15. November 2010 - 12:21.

Die Frage ist ja, ob das Geld wirklich ankommt. Einen Scheck mit 22.000 € haben sie ja noch nicht übergeben.... und wenn sie es nicht tun hat das in ein paar Tagen auch jeder vergessen...ich bezweifle jedenfalls stark, dass das Geld den Besitzer wechselt.

von daher stellt sie wirklich die Frage, wie sinnvoll es ist auf "gefällt mir" zu klicken, schließlich bleibt stehen, dass wir Billa gefällt und nicht seine Spendenaktion (die noch gar nicht über die Bühne gegangen ist)

Sollte ich Billa unrecht tun und er spendet tatsächlich, bin ich beim nächsten Mal vielleicht weniger voreingenommen, aber so behalte ich meine gesunde Skepsis noch ein bisschen bei! :-)

Liebe Grüße

Stefanie

Submitted by andrea on 15. November 2010 - 13:14.

@Dyrnberg: Ja, klar, wer klicken will, soll klicken. Auch wenn das "gute Gewissen" billig zu haben ist, heisst das ja noch nicht im Umkehrschluss, dass Klicken unmoralisch sei. Es wird jedenfalls nicht schaden. Es ist mir ja sowieso mehr darum gegangen diese Strategie dahinter zu beleuchten.
Du hast natürlich recht, dass alternative Gruppen/Seiten zu gründen eine Möglichkeit ist mit sowas umzugehen. Das passiert ja auch immer wieder, ich denke da nur mal an die Greenpaece oder WWF-Kampagnen. Allerdings braucht es da schon sehr viel an Wissen über die Funktionalität sozialer Netzwerke, dass das gelingt, dass wirklich gross zu kriegen - es ist also eine Machtfrage. Der/die "normale" Facebook-Nutzer_in kann da nur was machen, wenn sie sich mit anderen zusammentut.

@Stefanie: Das ist ja noch der Gipfel der Sache, das zu hören. Da frage ich mich schon welche Möglichkeiten hier Konsument_innen haben, sowas nachzuvollziehen. Denn es werden wohl die meisten nach dem "Gefällt mir" die Kampagne nicht mehr genau mitverfolgen, da ist das Web oft viel zu flüchtig. Das ganze relativiert halt einfach auch die viel beschworene Konsument_innenmacht im Social Web.

Submitted by Wichtige Themenverfehlung (not verified) on 17. November 2010 - 17:16.

zu deiner Sicherheit“: Hand Searching

Beim Hand Searching fasst das Sicherheitspersonal mit der Hand in deine Unterhose vorn und hinten.

Ich habe das in Schiphol (Flughafen Amsterdam) erlebt und fand es beunruhigend, demütigend und beschämend. In Schiphol werden so jetzt schon stichprobenartig Personen "untersucht". Bei mir waren sie jedenfalls sehr gründlich.

Hier ein Video vom Hand Searching an der 3-jährigen Mandy auf einem US Flughafen. Ihr Vater hat mit dem Handy mitgefilmt und es einem TV-Sender übergeben.

Warum ein Hand Searching bei der kleinen Mandy? Weil man ihr den Teddybären wegnahm, war sie so aufgewühlt, dass sie nicht langsam durch die Sicherheitskontrolle gehen konnte. Nach 2 Versuchen heißt es dann: she "must be hand-searched."

Sieh selbst, solange das Video noch auf youtube steht:
http://www.youtube.com/watch?v=QzEadUBYyLQ

Submitted by Florian (not verified) on 21. April 2011 - 8:37.

Hey!

Es gibt solche Aktionen immer mehr! z.B. mach jetzt euch ein Einkaufszentrum in Salzburg eine Spendenaktion "EUROPARK hilft". (www.facebook.com/europarksalzburg). Ich finde man sollte solche Aktionen sehr kritisch betrachten, da man dem jeweiligen "Veranstalter" auch vertrauen müssen kann. Aber ich denke, wenn es sich um eine seröse Firma handelt, steht dem nichts im wege.. weil man ja wirklich mich einem klick etwas spenden kann.

Lg
Flo

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