Jul
1

Da habens das Geld. € 78.000,- für das Krone-Fest von der Stadt Linz

10 Jahre feiert das Krone Stadtfest heuer im August, wie schon jetzt beim diesbezüglichen Gewinnspiel, wo es allerlei Klimadreck zu gewinnen gibt, gefeiert wird. 10 Jahre Tralala, Mainstream-Musik - und natürlich ein bisserl ein kritischer Aufputz: Kunst, Kultur und Kabarett nennt sich das da. Warum die Kronenzeitung das macht ist auch klar. Es geht nicht darum den Menschen eine nette Party zu ermöglichen, sondern das gewinnorientierte Unternehmen macht hier Werbung für die eigenen Medienprodukte.

Im heutigen Linzer Gemeinderat wurde ein hübsches Sümmchen für dieses Promotion-Event der Kronenzeitung beschlossen. € 78.000 bekommt die Firma KOOP Live-Marketing GmbH für das Krone Stadtfest 2010, davon € 33.000 in Form einer Naturalförderung. SPÖ, ÖVP und FPÖ haben für die Subvention gestimmt, die Grünen haben sich enthalten (was faktisch als Gegenstimme zu werten ist) und die KPÖ und das BZÖ waren dagegen. Kommen tut das Geld aus dem Wirtschaftsressort, früher einmal war sogar die Hälfte aus dem Kulturressort. Diese Praxis wurde aufgrund von Protesten eingestellt. Aber Geld hat kein Mascherl - was im Wirtschaftsressort unnütz ausgebenen wird, fehlt woanders.

€ 78.000 waren früher mal mehr als eine Million Schilling, ein erkleckliches Sümmchen. Noch mehr ein erkleckliches Sümmchen, wenn man_frau weiss, was die Stadt Linz sonst so an Förderungen für Kunst und Kultur ausgibt, besonders beim Blick auf die Freie Kulturszene. Da kann es schon mal ziemlich lange dauern, dass ein gemeinnütziger Verein fürs Jahresprogramm € 3.000.- bekommt und selbst bei denen, die ein bisserl mehr bekommen, sind Inflationsanpassungen selten und damit reale Geldverluste vorprogrammiert. Manche Ansuchen werden einfach nur ignoriert, auch Termine beim Kulturstadtrat sind nicht immer für alle zu bekommen. Das Problem dürfte die Kronenzeitung wohl nicht gehabt haben.

In Sonntagsreden wird betont wie wichtig die Freie Szene ist. Und nicht nur bei Linz09 ist deutlich geworden, dass da wenig Wahrheit damit verbunden ist. Der Großteil vom Geld in der Kultur ist verplant für die grossen Institutionen, das bisschen das übrig bleibt, ist zuviel zum Sterben, zuwenig zum Überleben, jedenfalls zuwenig das Potential, das in diesem Bereich liegt, wirklich wirken zu lassen. Ohne das kritische Innovationspotential der Freien Szene könnte sich Linz nicht als Kulturstadt schmücken und wäre wohl auch die Bewerbung zur Kulturhauptstadt nicht so glatt gelaufen. Der eigentlich recht gute Kulturentwicklungsplan (KEP) (der bald überarbeitet wird) und am Papier durchaus vorbildliche Förderrichtlinien und auch die Möglichkeit von mittelfristigen Förderungen kompensieren das Grundproblem, dass zuwenig Geld da ist für die Freie Szene, einfach nicht.

Ja, fürs Kronenzeitung Tralala ist Geld da. Die haben die richtige Lobby und wir Linzer_innen haben offenbar mehrheitlich Politiker_innen gewählt, die nicht den Mut haben, der massenmedialen Macht zu widerstehen, mit oder ohne Hans Dichand.

Ich bin mir sicher: Wir müssen über Verteilung reden, innerhalb des Kulturbereichs und innerhalb des städtischen Budgets generell. Die notorische Unterfinanzierung der Freien Kulturszene ist ja nicht das einzige Problem. Ja, die Gemeinden sind die Verlierer_innen im Verteilungskampf zwischen den Gebietskörperschaften - doch solange für die Kronenzeitungs-Promotion, die Stadtwache und die Weihnachtsbeleuchtung (von Michael Svoboda treffenderweise WOK genannt) genug Geld da ist, klingt dieser ansich richtige Hinweis irgendwie unglaubwürdig. € 78.000 sind im Vergleich zum Gesamtbudget der Stadt Linz von mehr als € 500 Millionen (ordentlicher Haushalt) natürlich auch wieder nicht viel Geld, aber Glaubwürdigkeit fängt genau da an.

PS: Auch übers LinzFest und alle die anderen von der Stadt organisierten Grossveranstaltungen unter dem Motto "Kultur für alle" kann man_frau diskutieren, aber da steht wenigstens nicht nur die Selbstpromotion der Stadt und nicht ein kommerzielles Unternehmen im Mittelpunkt. Auch hier meine ich, dass weniger vermutlich im Sinne der Vielfalt in der Stadt mehr wäre.

PSS: Wer sich für die Vorgänge im Linzer Gemeinderat interessiert, findet im Blog von Severin Mayr (Grüne) und auf der Homepage der KPÖ Infos, die sonst oftmals kaum zu bekommen sind.

Update 3.7.: Das BZÖ hat offenbar auch dagegen gestimmt lt. KPÖ - wenn die schon mal ausnahmsweise was Vernünftiges tun, muss ich das natürlich korrigieren.

Foto: Ralph - fotografiert am Krone Fest 2008

Comments

Submitted by Shiny (not verified) on 9. July 2010 - 12:42.

Interessant, dass nur das BZÖ und die KPÖ dagegen waren.

Faymann und Niessl (Burgenland) hätten die Wahl ohne die Krone nicht gewinnen können, damit ist klar, dass die SPÖ auf Jahre noch auf Seiten der Krone ist.

Submitted by andrea on 18. July 2010 - 14:45.

Diese Verstrickungen der Parteien mit der Kronenzeitungen oder in OÖ auch mit den Nachrichten sind IMO schwer bedenklich. Ich glaube übrigens, dass das nicht nur die SPÖ betrifft, sondern ausser der KPÖ wirklich alle Parteien, halt immer wieder in unterschiedlichen Varianten.

Submitted by Bill Clinton (not verified) on 1. August 2010 - 17:18.

Denk ich auch. Ob Krone, Standard, Styria oder Fellner's Medien. Es geht immer um Anzeigenvolumen und gelenkte Schreibe.

Medien sind ein Werbemittel. Medien arbeiten immer zuerst für ihre Werbekunden. Für diese Werbekunden wird ein sogenanntes redaktionelles Umfeld geschaffen.

Kommentar hinzufügen

The content of this field is kept private and will not be shown publicly.
  • Web page addresses and e-mail addresses turn into links automatically.
  • Allowed HTML tags: <a> <em> <strong> <cite> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd> <img>
  • Lines and paragraphs break automatically.
  • Images can be added to this post.

More information about formatting options

Refresh Type the characters you see in this picture. Type the characters you see in the picture; if you can't read them, submit the form and a new image will be generated. Not case sensitive.  Switch to audio verification.