Oct
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Mein Bekennerinnenschreiben

Auf Sendezeit hatte ich das Vergnügen, eingeladen geworden zu sein, ein Bekennerinnenschreiben zu veröffentlichen. Das nun auch hier.

Ich bin Christin. Ich bin katholisch. Ich bin in Österreich geboren, hineingeboren. Und doch hatte ich lange nichts mit der Kirche zu tun, hatte kein Interesse, keinen Kontakt, sah viele Hürden und mehr Fragen als Antworten. Mehr Fragen als Antworten habe ich bis heute, wenn es um Religion und Kirche geht, aber was sich in den letzten Jahren geändert hat, sind das Interesse und der Kontakt. Gewachsenen ist in den Jahren die Ermutigung aus dem Glauben an Gott, die Überzeugung, dass ich, wenn ich Gott sage, mitsage, dass es um ein gutes Leben für alle geht. Gegen alle Widrigkeiten und Widerstände – und selbst noch dort, wo alle Hoffnung schwindet, gibt es Gott. Oder Göttin: Gerade als feministische Theologin kann ich sie_ihn kreativer, spielerischer und radikaler denken – denn allzu lange wurde Gott von kulturell gewachsenen Schemata eines allmächtigen, strafenden, männlichen Gottes verstellt.

Das geht zu Ende in einer postsäkularen und postpatriarchalen Gesellschaft. Nie wirklich verstanden habe ich die, die darüber jammern, dass die Selbstverständlichkeit von religiösen Prägungen schwindet. Ist es nicht viel spannender und wohl auch jesuanischer, wenn das Bekenntnis bewusstes, in Freiheit gewähltes Bekenntnis ist? Und nicht mehr Zufall, wie so lange.

Was wirklich trägt, das bleibt. Gott, Jesus, Ruach. Lokal verankert, oft verändert und vernetzt als Weltkirche. Feuer, nicht Asche. Liebe, nicht Hass. Gerechtigkeit und Solidarität.

Auch die Fragen bleiben, und das ist auch gut so. Es passt hervorragend zur diskursiven Struktur des Social Web, mit dem ich mich seit mehreren Jahren intensiv beschäftige. Glaube zeigt sich im Alltäglichen, Glaube wird glaubwürdig in Beziehung. Beim Gespräch am Küchentisch und genauso via Facebook, Twitter & Co.

Comments

Submitted by Sandra Schwarzbauer (not verified) on 20. October 2010 - 10:03.

Freue mich, dass du Gott besser kennen lernen willst.

Doch begehe nicht den Fehler, den du selbst so kritisierst. Mal dir nicht deinen eigenen patriachalen oder feministischen Gott, sondern versuche ihn so zu erkennen wie er ist. Wir alle haben es verdient so erkannt zu werden wie wir sind, Gott auch.

lg Sandra Schwarzbauer

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