Apr
18

Neubarbeitung kultureller Codes: Und wo sind sie, die Frauen?

Ich finde es immer wieder spannend, wie sehr die kulturellen Codes des Christentums Eingang in die digitale Kultur finden. Zu solch einem Code ist "Das Abendmahl" von Leonardo da Vinci geworden, ich denke es prägt mehr als alle anderen Bilder unsere Vorstellung davon, wie das war als Jesus mit seinen Freund_innen zusammen das letzte Mal getrunken und gegessen hat. Falls ich mich recht entsinne, ist es auch bei "Sakrileg" Ausgangspunkt von allerlei Spekulationen.

Auf Soup habe zwei Varianten dieses kulturellen Codes gefunden, die ich beide für bemerkenswert halte.

Hier stellt sich der_die Macher_in offenbar die Abendmahlszene als Disco-Event der 1970er vor. Maybe, aber mich wundert, dass da dann auch gegessen wird ;-)

Noch interessanter ist die Adaption, die wohl auch auf die Person Leonardo Da Vincis anspielt, der an der Schwelle der neuzeitlichen Naturwissenschaft steht. Die Körperpositionen sind aber verändert, Einstein in der Mitte steht und auch so manch anderes stimmt nicht. Ist das Photoshop geschuldet oder Absicht? Ich weiss es nicht, aber finde es es jedenfalls interessant. Diese Darstellung macht die Frage auf, ob nicht unsere Technik- und Fortschrittsgläubigkeit die gute Botschaft des letzten Abendsmahls, es gibt Heil, Rettung, es ist genug für alle da, ersetzt hat. Ja: Dialektik der Aufklärung.

Was mich aber in beiden Varianten, die mir da zufällig untergekommen sind, wirklich stört, ist, dass ausser (wenn ich das richtig sehe) Marie Curie keine einzige Frau in dieser illustren Runde vorkommt. Die Frage stellt sich umso mehr, da mir neuerdings bei einer Diskussionsveranstaltung bewusst geworden ist, dass konservative Kirchenkreise - fernab jedes wissenschaftlichen, historisch-kritischen Umgangs mit der Bibel - den Ausschluss von Frau vom Priesterinnenamt damit argumentieren, dass bei letzten Abendmahl ja nur Männer dabei gewesen wäre - und dabei die herausragende Rolle, die Frauen in der frühen Kirche gespielt haben, glattweg ignorieren.

Da gefällt mir dann doch die künstlerische Interpretation von Renée Cox, einer amerikanischen Künstlerin jamaikanischer Herkunft, besser, die ihr Werk Yo Mama’s Last Supper genannt hat. Die Frau, in ihrer Nacktheit und Verletztlichkeit, steht da im Mittelpunkt.

Und: Was gefällt euch?

Comments

Submitted by spoxx (not verified) on 19. April 2010 - 10:34.

Darf ich einen Witz zum Besten geben, den ich gestern in einem Editorial von Nicholas Kristof in der New York Times gefunden habe (Link unten):

"Eine fromme Seele stirbt, kommt in den Himmel und erhält Audienz bei der Jungfrau Maria. Der Besucher fragt sie, warum sie, trotz aller ihrer Segnungen, in Gemälden immer ein wenig traurig aussieht, ein bisschen wehmütig: Ist alles O.K.?
Maria versichert: "Oh, alles ist grossartig! Keine Probleme! Es ist nur... es ist nur, wir wollten eigentlich immer eine Tochter."

http://www.nytimes.com/2010/04/18/opinion/18kristof.html

Submitted by andrea on 19. April 2010 - 13:58.

LOL. Das probier ich mir zu merken. Bin aber leider im Witze-Merken leider gar ned gut :-(

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