Im Österreich-Blog der Zeit gibt es Gerüchte aus den Koalitonsverhandlungen (entdeckt via Kellerabteil). Die SPÖ will angeblich die Ressort Kultur und Bildung an die ÖVP abtreten. Na - dankeschön. Da können wir uns ja dann wieder auf einiges gefasst machen - auch wenn die Kulturszene im Widerstand schon in Übung ist.
Wohl glaube ich, sollte das wirklich so sein, an kein Revival des Schauspielers Morak, aber der Kurs wird weitergeführt werden: Selektion im Bildungssystem und ein immer stärkeres Wirtschaftlichkeitsparadigma für Kunst und Kultur. Nulltoleranz bei „Kulturverbrechen“, Österreich als attraktiven Standort der Kreativen Ökonomie ausbauen, mehr Wettbewerb schaffen - das alles steht im ÖVP-Wahlprogramm, sonst nicht viel über Kunst und Kultur. Bei der SPÖ ist als Einleitung zum Kunst- und Kulturkapitel des Wahlprogrammes zu lesen "Kulturpolitik ist Gesellschaftspolitik. Sie muss neben der finanziellen Förderung von Kunst und Kultur die gesamtgesellschaftliche Stellung von Kultur erhöhen. Ziele einer sozialdemokratischen Kunst- und Kulturpolitik sind vor allem: kulturelle Teilhabe und Partizipation sowie kulturelle Bildung steigern, volkswirtschaftliche Bedeutung von Kultur, wie zum Beispiel Beschäftigungs- und Wertschöpfungseffekte sichtbar machen, Verständnis von zeitgenössischer Kunst steigern und Kunst im Kontext von Innovation wahrnehmen. Kunst zeichnet sich auch dadurch aus, dass sie Zukünftiges vorausahnt, Neues schafft und damit die Weiterentwicklung der Gesellschaft unterstützt". Das klingt ja mal ganz gut - aber wir wissen halt auch, wielange die Sonntagsreden der SPÖ halten ...
Das Kulturressort wieder in ÖVP-Hand? Mir graut ...
Posted by andrea
16. November 2008 - 18:18







Kommentare
Mir scheint, von allen Seiten werden Kunst und Ökonomie zunehmend (wachstumsdenkend) verflochten. Kunst darf wohl politisch sein; auch wirtschaftlich, wenn sie will (warum nicht?). Umgekehrt Kunst seitens Staat und Wirtschaft zu fördern, das ist wohl auch wichtig, manchmal vielleicht gar unumgänglich. Aber die Gefahr eines Abhängigkeiten und Bedingungen schaffenden "Geschäfts" ist da doch sehr groß - mit wohl einseitig übergewichtiger Machtverteilung. Was bedeutet es hinsichtlich der Kunst, die NICHT gefördert wird? Ist das ganze nicht auch eine Art Steuerung der Kunstszene, zumindest hinsichtlich der Breitenwahrnehmung? Und könnten Rebellen da aus dem Netz fallen?
Vielleicht sind das ja nur übervorsichtige (oder dumme) Gedanken eines sich bildungserzieherisch erinnernden Ex-Schülers. Jedenfalls ist mir ein wenig mulmig, wenn ich das so lese...
Hallo Noah, freut mich, dass Dich auch meine Kulturthemen interessieren. Du hast völlig recht. Als eine, die schon lange im Kulturbereich arbeitet, stelle ich immer mehr fest, dass künstlerische und kulturelle Aktivitäten immer mehr genötigt werden, sich zumindest als Begleitfaktoren der Ökonomie zu rechtfertigen, wenn nicht sogar selbst profitabel sein sollen. "Wendet euch an die Wirtschaft für eine Finanzierung" kann das schon mal eine Antwort von KulturpolitikerInnen bei Förderverhandlungen sein. Unter prekären Bedingungen arbeitende Kulturschaffende sollen sich der Kreativwirtschaft unterordnen, obwohl eigentlich ohnehin niemand so genau weiss, was das denn genau ist.
Rebellen und Rebellinnen fallen durch das Netz (obwohl auch zu fragen wäre, ob es das je gegeben hat), aber nicht nur die, sondern viele andere auch. Durch die mangelnde Kulturpolitik wird liegt positives gesellschaftliches Potential brach. Es ist traurig, aber gleichzeitig auch Auftrag da entgegenzuwirken. Genau aber auch dafür, Aufstehen gegen die neoliberale Durchformatierung unserer Gesellschaft, gibt es viel Potential unter KünstlerInnen und KulturarbeiterInnen. Ich bin schon gespannt wie es weitergeht ...
Was sind denn "Kunstverbrechen"?
Die österreichische Innenministerin Maria Fekter (ÖVP) hat im Wahlkampf vorgeschlagen, "Kulturverbrechen" besser zu verfolgen. Gemeint damit ist laut ÖVP-Wahlprogramm „Zwangsverheiratung“, „Ehrenmord“ oder „Genitalverstümmelung“ - es kommt natürlich im Kapitel "Sicherheit" vor. Die ÖVP hat eine jedenfalls rassistisch angehauchte Kampagne geführt unter dem Motto "Deutsch vor Zuwanderung" und dabei das unter anderem zum Thema gemacht.
Das da der Kulturbegriff völlig abwegig verwendet wird, liegt auf der Hand. Darum wundert mich Deine Nachfrage nicht. Letztlich ist das halt dann das gleiche, was in .de unter dem Stichwort "Leitkultur" vor ein paar Jahren verhandelt wurde. Einen guten Kommentar dazu hat Maria Vassilakou von den Grünen verfasst.
Dachte mir schon, dass das so eine Österreichische Spezalität ist, die in Deutschland unter anderem Namen serviert wird, aber irgendwie hat sich das Wort bei mir im Kopf beim Scrollen vom Text zur Kommentareingabe in "Kunstverbrechen" verwandelt und ich dachte dann an Graffiti und so.
Ja, so flott gehts. Aber wie du siehst, habe ich mich ausgekannt. Ausserdem ist ja die Debatte, was Kunst und was Kultur ist sowieso keine so einfache - aber spannende!
Kunstverbrechen im Sinne subversiver Strategien sind sowieso auch cool.
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