
Foto: tschörda
Die Medien fallen derzeit aus allen Wolken, dass es, wie vor ein paar Tagen berichtet, im Linzer AEC prekäre Arbeitsverhältnisse gibt und darum arbeitsrechtliche Klagen von MitarbeiterInnen laufen. Die Gebietskrankenkasse hat festgestellt, dass MitarbeiterInnen angestellt werden müssten. Statt bisher zwei Millionen Euro braucht das AEC nun von der Stadt Linz pro Jahr 4,8 Millionen Euro (OÖN).
Mich wundert es schon, dass hier so getan wird, als ob das alles ganz neu wäre und bisher nicht bekannt. Nicht nur im informellen Kontext der Linzer Kulturszene sind diese untragbaren Zustände seit langem Thema, es gab Veranstaltungen, Projekte und Publikationen dazu. Offenbar wurden diese von den Mainstream-Medien und den zuständigen (Kultur-)PolitikerInnen bisher einfach ignoriert. Denn die Fakten sprechen durchaus dafür, dass Linz nicht so sehr die "soziale Musterstadt" ist, wie sie sich gerne präsentiert - und das gerade dort, wo StadtpolitikerInnen direkten Einfluss haben und sich nicht auf die unsoziale Wirtschaft herausreden können.
Hier nun eine (sicherlich nicht vollständige) Dokumentation, was sich bisher zum Thema prekäre Arbeit im Kulturbereich in Linz getan hat:
2002 wurde das Thema erstmals von FIFTITU% in Linz öffentlich diskutiert, auf der gut besuchten Tagung (a) typisch frau I - Zwischen allen Stühlen - Beschäftigungsverhältnisse für Frauen in Kunst und Kultur, eine weitere FIFTITU%-Tagung zum Thema folgte 2005: (a) typisch frau II - Zwischen Avantgarde und Katastrophe.
2002 - 2003 beschäftigten sich Kunstraum Goethestrasse, KUPF und Arbeiterkammer Abt. Bildung und Kultur gemeinsam im Rahmen des Projekts mit "establish cultural worker - Ist die KulturArbeit (oder) Kunst?" prekären, atypischen Beschäftigungsverhältnissen im Kunst und Kulturbereich. In zahlreichen, auch künstlerischen Veranstaltungen, wurde auch nach Lösungsstrategien gesucht.
2005 - 2007 fand das transdisziplinäre Forschungsprojekt flexible@art statt, dieses Projekt wurde von der Kunstuniversität Linz koordiniert, PartnerInnen waren das Institut für bildende Kunst und Kulturwissenschaften an der Kunstuniversität Linz, die Kupf – Kulturplattform OÖ, das Forum Freunde und AbsolventInnen der Kunstuniversität Linz, FIFTITU% - Vernetzungsstelle für Frauen in Kunst und Kultur, LIquA – Linzer Institut für qualitative Analysen, die ÖH an der Kunstuniversität Linz, das Institut für Gesellschafts- und Sozialpolitik an der Johannes Kepler Universität, Radio FRO und die Abteilung für Kunst- und Kultursoziologie, Stabstelle für Projektkoordination Kunst- und Forschungsförderung an der Universität für Angewandte Kunst Wien. Auch in diesem Rahmen gab es zahlreiche öffentliche Veranstaltungen, so auch die durch einen Eintrag in Blog der Subversivmesse "Vorgewerkschaftliches Arbeiten im Museum der Zukunft" wieder in Erinnerung gerufene Diskussionsveranstaltung, in der der künstlerische Leiter des AEC Gerfried Stocker so tat, als ob ohnehin alles in Ordnung wäre und versuchte die offensichtlichen Probleme kleinzureden. Eine umfangreiche Publikation dokumentiert dieses Projekt.
Verschiedene kleinere Projekte aus der Linzer Kulturszene versuchten und versuchen konkrete Unterstützung für Betroffene anzubieten, die oftmals im Dschungel atypischer Beschäftigung drohen unterzugehen. 2004 bot die ARTWORKS-Gründerinnenwerkstatt für Künstlerinnen konkrete Unterstützung, seit mehreren Jahren organisiert das Forum der AbsolventInnen der Kunstuniversität Linz gemeinsam mit der IG Bildende Kunst Veranstaltungen unter dem Motto "Survival Kit für KünstlerInnen", aus FIFTITU% heraus entstand das Seminarangebot "Frauen und Geld", das nun von Frauengesundheitszentrum weitergeführt wird. Ab Jänner 2009 bieten FIFTITU%, KUPFakademie und Forum der AbsolventInnen der Kunstuniversität Linz das Projekt "NEEDful things" an.
Auch zahlreiche Kunstprojekte beschäftigten sich in den letzten Jahren mit dem Thema, so machte 2005 die wirag der KAPU auf das Thema durch 3 Tage Kulturbetrieb auf dem Linzer Hauptplatz aufmerksam.
In der KUPF-Zeitung, der Versorgerin (Stadtwerkstatt), den kulturrissen und anderen Kulturmedien finden sich zahlreiche Beiträge zum Thema, aber auch Radio FRO (Sendungsarchiv CBA) beschäftigte sich vielfach mit dem Thema Beschäftigung im Kunst- und Kulturbereich.
Das war jetzt mal alles, was mir eingefallen ist. Wer die Liste vervollständigen will, hinterlasse bitte einen Kommentar! Vielleicht trägt es ja ein bisschen dazu bei, deutlich zu machen, dass bezüglich der Arbeitsverhältnisse im Kunst- und Kulturbereich in Linz - und nicht nur hier - schon lange dringender Handlungsbedarf besteht.







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