Queer

Adam und Eva

Posted by andrea
25. Juni 2009 - 19:32

Eigentlich mag ich ja keine Firmenspots hier promoten, aber weil es offenbar von einer amerikanischen Versicherung ist, die hierzulande sowieso niemand kennt und scheinbar auch zensuriert wurde - Adam and Eve, the gay version. Interessant wäre ja die Frage, wie es weitergeht ...

Wo soll ich bloss anfangen?

Posted by andrea
12. Februar 2009 - 14:01

Wie viele bin ich zutiefst betroffen und besorgt über die jüngsten Ereignisse in der katholischen Kirche, die - nach einer langen Pause, wo ich damit nichts anfangen konnte - in den letzten Jahren meine Kirche geworden ist. Ich frage mich, wo ich anfangen soll ... Bei Papst Benedikt und seinen Pius-Brüdern im Geiste, wie es Publik Forum so treffend formuliert? Beim bedrohlichen Gottesbild des designierten Hilfsbischofs von Linz, Dr. Gerhard Wagner? Bei seinem Ausschluss von Minstrantinnen aus dem Altarraum? Bei seinen homophoben Äußerungen, die nicht mal mehr auf dem Boden der aktuellen katholischen Lehre stehen und krankmachen und dann auch noch von anderen Bischöfen unterstützt werden? Beim autoritären Verständnis der Kirche? Beim überzogenen Klerikalismus, der zwischen den Zeilen insinnuiert, dass Priester doch besser sind als andere? Bei den beginnenden Kirchenaustritten, von deren Anstieg mir auch ein Studienkollege berichtet hat, der derzeit Praktikum in der Kirchenbeitragsstelle macht? Bei der fehlenden Demokratie in der Kirche, die vielleicht eigentliche Ursache für alle diese Fragen ist, denn die breite Mehrheit der Katholik_innen in Oberösterreich stellt sich wohl die gleichen Fragen wie ich?

Eigentlich fällt mir nur ein "Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpf hat schon verloren" - aber wo bloss anfangen? Es ist jedenfalls Zeit, etwas zu tun und die breit getragene Stellungnahme der Dechantenkonferenz der Diözese Linz vom 10.2.2009 ist jedenfalls ein Hoffnungszeichen:

Als Dechanten in unserer Diözese Linz nehmen wir wahr, dass viele Christinnen und Christen der Ernennung von Dr. Gerhard Wagner zum Weihbischof zustimmen, dass aber auch sehr viele empört, enttäuscht und verletzt sind. Im intensiven Gespräch der Dechanten stellte sich klar die fehlende Akzeptanz von Dr. Gerhard Wagner für das Bischofsamt heraus. Daher können wir aus Sorge um die Glaubwürdigkeit der Kirche und der Einheit unserer Diözese die Zustimmung zur Weihe von Dr. Gerhard Wagner nicht geben.

"Homosexualität für Dummies" als Videoantwort auf Weihbischhof Laun

Posted by andrea
14. Januar 2009 - 20:40

Weihbischhof Andreas Laun hat es wieder einmal geschafft und ein grusliges Statement zum Thema Homosexualität auf der FundamentalistInnenplattform kath.net abzugeben. Marco Schreuder, Landtagsabgeordneter der Wiener Grünen hat dazu eine nette, wenn auch etwas lange, zweiteilige Videoantwort verfasst, in der er auf den Text des konservativen Weihbischofs für Salzburg, der übrigens sogar ein Buch zum Thema verfasst hat (Homosexualität aus katholischer Sicht, 2001), in kreativer Weise eingeht und ihm die Sache so erklärt, dass es eigentlich jeder vernünftig denkende Mensch verstehen müsste. Marco Schreuder hat recht, wenn er sagt, dass Leute wie Bischhof Laun, die Basis für die Verfolgung und Ermordung von Schwulen und Lesben durch den Nationalsozialismus gelegt haben. Insofern ist das ganze zwar amüsant anzuschauen, aber hat doch einen sehr ernsten Hintergrund.

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Theologie gegen Heteronormativität - Predigt zu Genesis 1

Posted by andrea
7. Dezember 2008 - 23:57


Foto: gretchl2000

In einem Blogkommentar bei Jokerine zum Beitrag Warum Heteronormativität fürn Arsch ist hat Missingno das alte Adam und Eva Stereotyp aus der Schublade gezogen: "Als Mann und Frau erschuf er sie", allerdings argumentiert mit der aus Griechenland stammenden Geschichte vom Kugelmenschen (Platon/Aristophanes). Da mich diese Argumentation, dass Gott den Menschen als "Frau" und "Mann" geschaffen hat, und das halt so ist, schon lange nervt, möchte ich einen schon älteren Predigttext von mir zum Thema veröffentlichen. Der Text ist natürlich - formatgemäss - weniger theoretisch formuliert als das für Butler-LeserInnen vielleicht nötig erscheint ;-)

Predigt zu Genesis 1

„Als Mann und Frau erschuf er sie“.
Was ist eigentlich eine Frau? Was ist eigentlich ein Mann?
Sofort wenn wir diese Frage hören, entstehen Bilder in unserem Kopf. Wenn jemand zur Tür hereinkommt, nehmen wir sie oder ihn sofort als geschlechtliches Wesen war. Wenn wir länger darüber nachdenken, stellen wir fest, dass die Frage, was ein Mann, was eine Frau ist, eigentlich gar nicht so einfach zu beantworten ist.

Ich habe vor ein paar Wochen den Film ‚Tintenfischalarm’ mit Elisabeth Scharang und Alex Jürgen gesehen. In diesem Film geht es um die Geschichte von Alex. Alex ist intersexuell. Das heisst also, er bzw. sie ist ohne eindeutig zuordenbare Geschlechtsmerkmale zur Welt gekommen. Bei einer von 2.000 Geburten lässt sich das Geschlecht des Neugeborenen nicht exakt bestimmen. Der Film ist wichtig, weil er für das Thema Intersexualität Aufmerksamkeit schafft. Der Film ist ein Plädoyer dafür, Menschen so sein zu lassen, wie es die Natur eben wollte.

Ich denke, wir können von intersexuellen Menschen für unser Leben viel lernen. Wir werden radikal vor die Frage gestellt, was eigentlich weiblich oder männlich ist. Wir wissen heute dank feministischer Forschung, dass Geschlechterrollen gesellschaftliche Konstrukte sind, dass jede biologische Begründung für unterschiedliche gesellschaftliche Rollen von Männer und Frauen falsch ist und nur zur Stabilisierung bestehender Herrschaftsverhältnisse beiträgt.
Und wir können nun auch wissen, dass selbst das biologische Geschlecht nicht immer so eindeutig ist, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Intersexualität ist ein wichtiger Hinweis darauf.

Der biblische Schöpfungsbericht sagt uns auf den ersten Blick sehr eindeutig: „Als Mann und Frau erschuf er sie“. Wir wissen heute aber auch, dass dieser Schöpfungsbericht nicht als naturwissenschaftliche Dokumentation der Entstehung der Welt zu lesen ist. Vielmehr geht es in diesem Schöpfungsbericht um eine Sinnaussage über die Welt: „Gott sah, dass es gut war“. Die Aufzählung der Erschaffung der Natur ist nicht vollständig, sondern exemplarisch. Innerhalb des antiken Weltbilds ist der Schöpfungsbericht auch als Aussage über die Vielfalt der Welt lesbar – und, damit verbunden, über die Verantwortung der Menschen, die als Gottes Abbild geschaffen sind.

Warum sollen wir dann „Als Mann und Frau erschuf er sie“ als naturwissenschaftlich eindeutige Aussage verstehen? Ich meine, es führt zu interessanteren Ergebnissen, auch diese Aussage als Sinnaussage und innerhalb der Vielfalt der Schöpfung zu begreifen.
Im biblischen Schöpfungsbericht steckt aber ganz klar ein Auftrag. Es ist schon angeklungen. Wenn Gott die Erde segnet und sagt: „Seid fruchtbar und vermehret euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch“ dann ist damit die Einzigartigkeit des Menschen innerhalb der Schöpfung angesprochen, aber auch die Verantwortung der Menschen. Es ist unsere Aufgabe, diese Welt im Sinne der Vielfalt zu gestalten. Dabei geht es sowohl um die Bewahrung der Schöpfung, verstanden als ökologische Verantwortung, aber auch um die Verantwortung für die Gestaltung des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Durch das Alte Testament zieht sich eine Botschaft, die Gerechtigkeit. Es geht um die Schaffung einer gerechten Welt: das ist der Auftrag Gottes an uns Menschen. Dann können wir von Gott als Schöpfer oder Schöpferin und uns als Mit-SchöpferInnen dieser Welt sprechen.

Der _ gegen Unsichtbarkeit

Posted by andrea
9. November 2008 - 1:01

Auf diestandard.at findet sich unter dem Titel Raum für _! Das Binnen I bekommt Konkurrenz: Der _ stellt Unsichtbarkeit und sprachliche Repräsentation jenseits von "er" und "sie" zur Debatte ein sehr interessanter Text über verschiedene Schreibweisen.

10 Jahre FIFTITU% Party - Fordern, umsetzen und feiern!

Posted by andrea
7. November 2008 - 16:30


Foto: Ralph Aichinger

Gestern war ich auf der 10 Jahres Feier von FIFTITU% - Vernetzungsstelle für Frauen in Kunst und Kultur. Eine fulminante Party, viele liebe Leute, spannende Gepräche (auch übers Bloggen und Twittern ;-).
Obenstehendes Fotos zeigt das Geschenk, das Netzwerkerinnen, die FIFTITU% in den letzten 10 Jahren begleitet haben, bekommen haben: Ein Faden zum weiterem Fädenspinnen inklusive einer Anleitung für Fadenspiele handgezeichnet in limitierter Auflage von Iris Aue. Iris habe ich gewünscht, dass ich damit mal richtig reich werde, weil ich eines dieser Exemplare bekommen habe. Aber eigentlich möchte ich es nicht weiterverkaufen, sondern mich in vielen Jahren auch noch beim Anblick dieses netten Geschenkes an diesen schönen Abend und meine Geschichte mit FIFTITU% zurückerinnern.
Besonders freut mich, dass ich diesen Abend auch als Feier fürs Queeren von FIFTITU% wahrgenommen habe. Darüber ist ja in der 10 Jahres Publikation (sehr zu empfehlen!) viel nachzulesen, mein Eindruck war, dass da nun eine weiterentwickelte Praxis auch deutlich öffentlich artikuliert wird. Das ist eine feine Sache und lässt auf noch viel Spannendes von FIFTITU% hoffen.

Vatikan: Manche sind gleicher

Posted by andrea
1. November 2008 - 13:02

Heute ist den Medien zu entnehmen, dass der Vatikan nun psychologische Tests für Priesteramtsanwärter durchführen will. Das zwar nicht verpflichtend, aber anknüpfend an die 2005 erlassenen Richtlinien. Dabei geht es offenbar zwar auch darum präventive Schritte gegen sexuellen Missbrauch durch katholische Amtsträger zu setzen, aber vor allem auch homosexuell orientierte Menschen vom Amt fern zu halten. Die beste Prävention gegen sexuellen Missbrauch wäre wohl ein Ende der Verdrängung der Sexualität. Mich empört diese unverhohlende Diskriminierung von Schwulen (Frauen sind ja sowieso nicht zum Priesteramt zugelassen). Auch im Sommer fiel die Österreichische Bischhofskonferenz negativ auf, weil sie sich gegen das (sowieso wenig weitgehende und darum von allen LesBiSchwulen Organisationen abgelehnte) neue PartnerInnenschaftsgesetz aussprach. Kirche diskriminiert hier ganz offen und sagt, dass Menschen nicht gleich sind, sondern manche gleicher, die Heteros - daraus folgt dann logisch, dass dann noch gleicher die Kleriker sind und allen anderen am besten außen vor bleiben sollen. Dass das rein gar mit der christlichen Botschaft der Würde aller Menschen und auch wenig mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil zu tun hat, liegt auf der Hand.

Tröstlich ist, dass das alles Abwehrkämpfe einer sich immer mehr einbunkernden vorgestrigen Klerikalbürokratie sind: Am Donnerstag 30.Oktober 2008 war ich auf einer sehr ermutigenden Veranstaltung des Zentrums für Theologiestudierende in Linz. Peter Paul Kaspar (Prieterinitiative) und Hanns Peter Hurka (Wir sind Kirche) haben die Position vertreten, dass die Reform schon begonnen hat, denn real leben katholische ChristInnen etwas ganz anderes. Gottseindank, muss ich da einfach sagen.

To Do

Posted by andrea
22. Oktober 2008 - 16:08

Beitrag in der Publikation 10 Jahre FIFTITU% (November 2008)

Darüber zu schreiben, was FIFTITU% in Zukunft fordern soll, was FIFTITU% tun soll, ist als mittlerweile Außenstehende nicht leicht - es mutet manchmal an wie ein Wunschzettel ans Christkind oder die Weihnachtsfrau. Viele feministischen Forderungen ergeben sich aus der politischen Praxis und nicht nur aus einer distanzierten Theorie-Reflexion. Ich will es aber trotzdem versuchen - denn auch wenn ich nicht mehr im Vorstand von FIFTITU% aktiv bin, bin ich doch noch immer eine im Netzwerk von FIFTITU%. Lang wird sie werden, diese TO DO List, sicher nicht vollständig.

Copenhagen Pride

Posted by andrea
13. August 2008 - 18:56

Heute bin ich in Kopenhagen gegen Mittag angekommen, gut ausgeschlafen, da wir einen Schlafwagen hatten, der komfortabler war als erwartet. Die kleine Meerjungfrau habe ich noch nicht gesehen, dafür aber festgestellt, dass es ein LesBiSchwules Festival gibt. Vor dem Rathaus, ganz zentral, war eine Zelt-Info-Stadt zu finden und abends gibts ein Konzert. Nette Leute, Infomaterial war auch auf Englisch zu haben.

Umwege erschließen neue Wege

Posted by andrea
18. Juli 2008 - 12:29

Islam und queer - geht das zusammen? Das fragt Angelika Hassani in ihrem Beitrag "Gott hat viele schöne Namen...... Die Geliebte, die Lesbe, der Schwule, Queer ...". Ich finde diese Herangehensweise sehr erhellend, weil damit - vielleicht auf einem gedanklichem Umweg - klar wird, wie sehr die Konstruktive in unseren Köpfen Ein- und Ausschlüsse produzieren.
http://www.bzw-weiterdenken.de/artikel-8-92.htm