Umverteilung

Das Pfarrpraktikum geht zu Ende mit Gottesdiensten und Predigten: Übers Zweifeln und Verzweifeln angesichts der Wirtschaftskrise

Posted by andrea
18. April 2009 - 21:54

Als Theologiestudentin absolvierte ich von Februar bis April 2009 ein Praktikum in der Pfarre Linz-Ebelsberg, das nun langsam zu Ende geht. Meine Twitter-Follower_innen habe davon ja sowieso ab und zu schon etwas mitbekommen. Sinn dieses Praktikums ist es, einen ersten Einblick in die Arbeitbereiche einen Pfarre zu bekommen und die Tätigkeiten der hauptamtlichen PfarrmitarbeiterInnen in der Praxis mitzubekommen. Damit ist das auch eine gute Möglichkeit, für sich mit einer guten Grundlage zu entscheiden, ob Pfarrpastoral ein möglicher Arbeitsbereich wäre. Wer sich aber dann nach Studienabschluss der Theologie für die Arbeit in einer Pfarre entscheidet, hat dann aber ein ganzes einführendes Pastoraljahr.

Zum Abschluss meines Praktikums habe ich - mit Unterstützung der Pastoralassistentin Angelika Paulitsch, meiner Praktikumsbegleiterin - die drei Wochenende-Gottesdienste vorbereitet. Und ich habe auch die Aufgabe, im Rahmen der Gottesdienste zu predigen bzw. eine Ansprache zu halten (weil LaientheologInnen eigentlich in der Diözese Linz seit einer Weile nicht mehr predigen dürfen). Heute habe auch erstmal liturgische Kleidung, eine Tunika, angehabt, welche in der Pfarre Ebelsberg normalerweise die Kommunionhelfer_innen tragen. Das hat schon was!

Die Predigt bzw. Ansprache dokumentiere ich hier. Wieder mal eine kurze Erklärung für alle, die nicht so mit solchen Dingen vertraut sind: Eine Predigt bezieht sich immer auf einen der Texte in der Bibel, die im Gotttesdienst vorgetragen werden, da habe ich mich für Joh 20, 19-31 entschieden, eine Predigt hat aber durchaus aktuellen Bezug und Bezug zur konkreten Gottesdienstgemeinde.

Impressionen von "Wir zahlen nicht für eure Krise" 28. März 2009

Posted by andrea
29. März 2009 - 13:07

Das Web ist schon nett. Auch für jene, die es nicht live erlebt haben, so wie ich, lässt sich das Feeling der Demonstration "Wir zahlen nicht für eure Krise" nachvollziehen. Hier einige ausgewählte Fotos, die mir besonders gut gefallen - von kellerabteil (der auch noch einen sehr feinen Text über die Industriellenvereinigung geschreiben hat) und http://rsy.akis.at/gallerie_krise/index.php. Wer Videos will, kann den Livestream von Attac hier anschauen. Danke!

Inhaltlich besonders bedenkenswert finde ich die Stellungnahme der Werkstatt Frieden und Solidarität.

10% mehr arbeiten fürs gleiche Geld?

Posted by andrea
6. März 2009 - 20:01

Die österreichische Bildungsministerin Schmied fordert von den Lehrer_innen 10% mehr zu arbeiten - fürs gleiche Geld. Denn unser Staat muss jetzt sparen wegen der Wirtschaftskrise - und das nach SPÖVP nicht bei Bank- und BörsemanagerInnen, die die Krise verursacht haben, sondern bei den ganz normalen Menschen. Ich möchte darauf wetten, dass die aktuelle Debatte um die Lehrer_innen nur der Anfang ist.
An der Bildung zu sparen, heisst an der Zukunft zu sparen. Schlechtere Arbeitsbedingungen für die ohnehin schon belasteten Lehrer_innen gehen ganz sicher auf Kosten der Schüler_innen. Selbst habe ich im Rahmen meines Schulpraktikums einen kleinen Einblick in die Arbeit der Lehrer_innen bekommen - und war einerseits positiv von der Qualität des Unterrichts überrascht, andererseits aber auch schockiert, wie stressig so ein Vormittag ohne Pause und mit ständigem Lärmpegel ist. Bei Franz Kuehmayer findet sich eine gute Liste, was sich wirklich ändern müsste. Um ein authentisches Bild der Realität der Lehrer_innen zu schaffen, dokumentiere ich hier (mit ihrem Einverständnis) einen

Offenen Brief der Volkschullehrerin Eva Schlemmer

Sehr geehrte Frau Minister!

Ich bin Volksschullehrerin im 19. Dienstjahr und verdiene rund 1.700€ monatlich netto.
Selten hatte ich als klassenführende Lehrerin eine Wochenarbeitszeit, die das Ausmaß von 45 Stunden unterschritt. Meistens waren es noch sehr viel mehr Arbeitsstunden, vor allem, wenn ich die enormen Korrekturarbeiten der 4.Klasse zu erledigen hatte.
Wir VS-Lehrerinnen haben die höchste Lehrverpflichtung: 22 Stunden. (Warum das so ist, kann ich nicht nachvollziehen. Vermutlich, weil in unserem Berufsstand fast nur Frauen arbeiten und diese weniger vertreten und geringer bewertet werden.)

Was wäre, wenn wir die Millionen hätten?

Posted by andrea
23. Februar 2009 - 13:32

Die Finanz- und Wirtschaftskrise setzt ja einiges an Kreativität frei, obenstehender Cartoon ist ein wunderbares Beispiel dafür (von frapzzt). Ich meine, dass die aktuelle Krise ja vor allem eine Nachfragekrise, eine Überproduktionskrise ist.

Prekäre Arbeit im Kulturbereich in Linz ist nun wirklich nichts Neues

Posted by andrea
15. Dezember 2008 - 21:42


Foto: tschörda

Die Medien fallen derzeit aus allen Wolken, dass es, wie vor ein paar Tagen berichtet, im Linzer AEC prekäre Arbeitsverhältnisse gibt und darum arbeitsrechtliche Klagen von MitarbeiterInnen laufen. Die Gebietskrankenkasse hat festgestellt, dass MitarbeiterInnen angestellt werden müssten. Statt bisher zwei Millionen Euro braucht das AEC nun von der Stadt Linz pro Jahr 4,8 Millionen Euro (OÖN).
Mich wundert es schon, dass hier so getan wird, als ob das alles ganz neu wäre und bisher nicht bekannt. Nicht nur im informellen Kontext der Linzer Kulturszene sind diese untragbaren Zustände seit langem Thema, es gab Veranstaltungen, Projekte und Publikationen dazu. Offenbar wurden diese von den Mainstream-Medien und den zuständigen (Kultur-)PolitikerInnen bisher einfach ignoriert. Denn die Fakten sprechen durchaus dafür, dass Linz nicht so sehr die "soziale Musterstadt" ist, wie sie sich gerne präsentiert - und das gerade dort, wo StadtpolitikerInnen direkten Einfluss haben und sich nicht auf die unsoziale Wirtschaft herausreden können.

Hier nun eine (sicherlich nicht vollständige) Dokumentation, was sich bisher zum Thema prekäre Arbeit im Kulturbereich in Linz getan hat:

Umverteilung im Grossen wie im Kleinen

Posted by andrea
14. Dezember 2008 - 14:15

Die neue KUPF-Zeitung wird wohl diese Woche im Postkasten landen, darum hier mein Beitrag daraus.

Im Internet habe ich ein Video eindeckt, das das gute alte Gesellschaftsspiel „Monopoly“ neu definiert: Bei „Bankenkrise“ (abrufbar unter http://andreame.at/bankenkrise) lernen wir, dass Geld schnell verzockt ist, aber damit kein Risiko verbunden ist, weil der/die SpielerIn sowieso bald wieder am „Staatfeld“ landet und damit das Geld zurückbekommt. Konklusio: Das Geld kommt von den Eltern der kleinen SpielerInnen, es sind Steuergelder.
So ist es auch im realen Leben: Auf 2.000.000.000.000 $ wird der Finanzbedarf amerikanischer und europäischer Banken geschätzt. Allein Österreich hat ein 100 Milliarden Euro Hilfspaket für die Banken geschnürt. Die ZockerInnen an der Börse gehen ungestraft vondannen, die Zeche der undurchsichtigen Finanzwirtschaft zahlen wir alle. Das ist Umverteilung von unten nach oben.

Umverteilung in Richtung der Banken passiert auch woanders: Kulturinitiativen oder andere Non-Profit-Organisationen erhalten für ihre Tätigkeit öffentliche Förderungen. Immer mehr reisst in den letzten Jahren dabei ein, dass diese Förderungen verspätet oder manchmal sogar erst nach Abschluss eines Projekts ausbezahlt werden. Gerade kleinere Organisationen sind mit dieser Praxis gezwungen, akute Finanzlücken über Banken zwischenzufinanzieren. Da kann schon mal ein erkleckliches Sümmchen zusammenkommen, das der Kultur oder anderen Non-Profit-Organisationen dann fehlt. Finanzierungskosten sind übrigens nicht förderbare Kosten, die Organisation muss selbst schauen, woher sonst sie das Geld für die Kreditzinsen bekommt – bei nicht-kommerziell ausgerichteten Aktivitäten oft nicht einfach. Budgetsperren in öffentlichen Haushalten und fehlende praktikable Verfahrensstandards in Förderverfahren sind verantwortlich für diese Situation. Die Spielregel in diesem kleinen Monopoly wird dann so definiert: Nimm das Geld von den Kleinen, die sowieso schon wenig haben. Das ist Umverteilung im Kleinen.

Nun wird uns eine ökonomische Rezension prognostiziert, und ich möchte wetten, dass diese dafür sorgen wird, dass diese die Schere zwischen Reich und Arm noch weiter auseinandertreibt – anstatt Anlass zu sein, die Verteilung von Reichtum und Armut komplett neu zu überdenken. Es ist zu befürchten, dass durch die Rezension die öffentliche Hand weniger Geld hat und dass sich damit der Staat auch im Rahmen der öffentlichen Aufgabe Kultur noch zurückhaltender zeigen wird, als er es jetzt ohnehin schon tut – gerade bei den Kleinen. Beliebt ist in solchen Zeiten dann der Verweis der Kultur auf den Markt oder aufs Sponsoring. Da beisst sich aber die Katze in den Schwanz: Wenn es auch Privatpersonen und kleinen Unternehmen nicht gut geht, werden sie kein Geld in nicht unmittelbar rentables Kunst- und Kultursponsoring stecken.
Erneut gilt es, die gesellschaftliche Relevanz von kritischer Kunst, von gesellschaftlich sich verantwortender Kulturarbeit auf die Agenda zu setzen. Die Zeiten werden nicht leichter. Einzufordern ist Umverteilung in die richtige Richtung: von Reich zu Arm, von Rüstungsausgaben und Strassenbau zu Soziales, Ökologie und Kultur, von den Großen zu den Kleinen. Im gesellschaftlichen Monopoly braucht es dringend eine Gerechtigkeitskarte, die dafür sorgt, dass die Karten neu gemischt werden und Chancen gleich verteilt werden. Die Gerechtigkeitskarte wird nicht einfach so im Monopoly auftauchen, sondern es kommt auf uns an, diese zu schaffen. Kunst und Kultur leistet beim Neudesign des gesellschaftlichen Spiels einen wesentlichen Beitrag!

Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise: Initiative für eine demokratische Wende

Posted by andrea
3. Dezember 2008 - 16:40

Ich habe einen Aufruf für eine demokratische Wende angesichts der Finanzkrise mitunterzeichnet und möchte darum hier auf die Inhalte und das in diesem Zusammenhang am 6.Dezember 2008 in Salzburg stattfindende Treffen zur Vorbereitung von Aktivitäten hinweisen.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,

was dem Anschein nach mit der Schieflage von ein paar Finanzinstituten begann mündet immer deutlicher in einer schweren globalen Wirtschaftskrise. Die Arbeitslosigkeit steigt, Investitionen sinken, die öffentlichen Budgets werden durch die Finanzkrise enorm in Anspruch genommen, die Auseinandersetzungen um die Verteilung der wirtschaftlichen Erträge werden härter. Regierungen und Vorstände großer Unternehmen feiern sich als Retter und betonen beinahe unisono: Ein Weitermachen wie bisher, kann es nicht geben, keine Fortsetzung des neoliberalen "business as usual".

Und tatsächlich: überzeugte Neoliberale jenseits und diesseits des Atlantiks bekennen sich plötzlich offen zur staatlichen Regulierung. Sogar die oberste Hüterin des Wettbewerbs, die EU-Komission willigt, solange sie ihr zur Notifizierung vorgelegt werden, staatlichen Rettungsprogrammen zu. Vor allem gemahnen sie es beinahe als staatliche Pflicht an, die an den Finanzmärkten akkumulierten Werte abzusichern. Für die Zukunft wird mehr Transparenz, verbindliche Regeln vor allem von den jeweils anderen gefordert. Mitunter kokettiert man sogar mit dem Gedanken, sich zumindest teilweise der Besteuerung zu unterwerfen. Überfällige steuerliche Entlastungen und öffentliche Investitionen werden zu Konjunkturprogrammen hochstilisiert.

Börsencrash und Vorherrschaft - Audiomitschnitt eines Vortrag von Winfried Wolf zur Finanzkrise

Posted by andrea
30. November 2008 - 1:03

Im Cultural Broadcast Archive (CBA) findet sich ein Audiomitschnitt einer Veranstaltung der Werkstatt Frieden und Solidarität, die ich besucht habe, und die ich zum Nachhören, für den persönlichen Podcast, unbedingt empfehlen möchte. Der Audiomitschnitt wird von SpaceFemFM zur Verfügung gestellt. Börsencrash und Vorherrschaft - Wer gewinnt, wer verliert, welche Machtverschiebungen ergeben sich durch die Finanzkrise? dokumentiert eine Veranstaltung mit dem deutschen Ökonomen Winfried Wolf vom 20. November 2008. Winfried Wolf berichtet über die aktuellen Schwelbrände der globalisierten Wirtschaft und geht auch auf die historischen Wirtschaftskrisen ein. Resümee: Entweder es gibt eine demokratische Wende oder es tut sich die Schere zwischen Reich und Arm weltweit noch weiter auf.

Studie zur sozialen Lage der KünstlerInnen endlich offiziell veröffentlicht

Posted by andrea
19. November 2008 - 17:42

Studie BMUKK 2Die IG Bildende Kunst informiert, dass die bislang nur inoffiziell bekannte Studie des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur zur sozialen Lage der KünstlerInnen in Österreich nun auch offiziell präsentiert wurde. Sie kann im Web als Kurz- und Langfassung heruntergeladen werden. Vor den Neuwahlen hatte die Regierung wenig Interesse, diese unerfreulichen Fakten zu publizieren.

Online-Frühstück: Was bedeutet die erwartete Rezession für die Kulturarbeit?

Posted by andrea
1. November 2008 - 1:01

Am 5. November ab 9.00 Uhr gibt es ein Online-Frühstück in Form einer Videokonferenz. Thema ist die aktuelle Finanzkrise und ihre Auswirkungen auf den Kulturbereich. Dieses Projekt wurde von projektkompetenz.eu und kulturmanagement.wordpress.com initiert und die KUPFakademie macht da gerne mit - denn Experimentieren mit den neuen Web 2.0-Möglichkeiten gehört einfach dazu zu einer Bildungseinrichtung. Ich bin schon gespannt, wie das wird und ob dieses Angebot im Kontext der Kulturvereine auf Interesse stösst.