Kulturförderung

Ein Preis für "Worst Practices" in der Kulturförderung

Posted by andrea
28. April 2009 - 10:23


Foto: germanium

Die IG Kultur Österreich schreibt, "powered by Killtrolling", einen neuen Preis aus: Best of BuroCRAZY. Eingereicht werden können alle schlechten Erfahrungen mit der Kulturverwaltung in allen Schritten des Förderverfahrens, von der Beratung über die Antragstellung, Bewertung bis zur Abrechnung. Einsendeschluss ist der 29. Mai 2009.

Eine gute Idee! Alle, die in diesem Bereich tätig sind, wissen, dass es immer wieder Vorfälle gibt, die nicht nur etwas mit den handelnden Personen, sondern mit strukturellen Gegebenheiten zu tun haben, die einen "graue Haare und Falten auf der Stirn, einen Magensäureüberschuss oder Tics" verursachen. Die IG Kultur belegt selbst die Notwendigkeit des Öffentlichmachens solcher "Worst Practices" in ihrer jüngst veröffentlichten Studie zur Kulturförderung, verfaßt von Tasos Zembylas und Meena Lang. Auf die Ergebnisse dieser Ausschreibung bin ich schon gespannt!

Geheime nachträgliche Weihnachtsgeschenke

Posted by andrea
16. März 2009 - 13:33


Foto: creativecommons

Zufällig stolpere ich beim weihnachtlichen Websurfen über einen Blogeintrag – und kann es erst gar nicht glauben: Weihnachten und Ostern zugleich für die Freie Szene? Ein radikaler Kurswechsel in der Linzer Kulturpolitik? Die Stadt Linz fördert ab 1.1.2009 Werke, die unter freien Lizenzen lizensiert sind, mit zusätzlichen 10% und will auch vermehrt freie Software in der Verwaltung nutzen. Es gibt eigene Förderrichtlinien dafür und der einzige Wermutstropfen ist, dass KünstlerInnen, die bereits Mitglied einer Verwertungsgesellschaft wie der AKM oder Austro Mechana sind, von dieser Förderung ausgeschlossen sind, was aber auch nicht an der Stadt Linz, sondern an der rückwärtsgerichteten Politik der Verwertungsgesellschaften liegt. Freie Lizenzen wie die Creative Commons bieten Autor_innen die Möglichkeit, der Öffentlichkeit Nutzungsrechte an ihren Werken, wie zum Beispiel Texten, Bildern, Musikstücken usw., einzuräumen – ähnlich wie bei Freier Software, aber eben nicht nur auf Software beschränkt. Für KünstlerInnen und andere Kulturschaffende ist das besonders interessant, weil damit ein freier Umgang mit „kreativen“ Inhalten unterstützt wird – denn Kunst und Kultur entsteht nie im luftleeren Raum, sondern nimmt - oftmals unvermeidlich - Anleihen an schon da Gewesenen*. Ohne eine Statistik bei Hand zu haben, möchte ich zu behaupten, dass diese Fördermöglichkeit besonders für Aktivist_innen aus der Freien Szene von Interesse ist, weil sich hier eine Arbeitsweise der Kultur des Teilens entwickelt hat, die Voraussetzung ist für die Nutzung freie Lizenzen.

10% mehr Kulturförderung in Linz bei Lizensierung als Creative Commons

Posted by andrea
25. Dezember 2008 - 14:51


Foto: creativecommons

Passend zu Weihnachten habe ich heute eine freudige Entdeckung via Freie Netze. Freies Wissen gemacht: Die Stadt Linz fördert ab 2009 Kunst- und Kulturprojekte, die unter einer freien Lizenz (wie z.B. Creative Commons) lizensiert werden, mit einem erhöhten Beitrag von 10%. Details sind bei Linz Kultur abrufbar. Bedingung ist, dass der/die KünstlerIn seine/ihre Arbeiten nicht bei einer Verwertungsgesellschaft (AKM, Austro Mechana, ...) verwertet.

Das ist für mich wirklich eine zeitgemässe Antwort auf die Frage, wie Kulturschaffende Einkommen generieren können, von künstlerischer Tätigkeit leben können, in einem sich verändernden Umfeld. Diese Frage wurde z.B. unlängst im Kulturmanagement-Blog diskutiert. Dass Kulturförderung hier steuernd eingreift, ist ein mutiger Schritt in die richtige Richtung, wenngleich sicherlich noch nicht die Antwort auf alle Fragen.

Konkret ist mir auch nach Studium der neuen Förderrichtlinien unklar, wie durch ein transparentes Förderverfahren sichergestellt werden kann, dass die 10% für Creative Commons nicht nur formal bestehen und die Förderung für Creative Commons NutzerInnen wirklich 10% höher wird. Gerade bei der Kulturförderung der Stadt Linz stellt sich diese Frage, weil die Töpfe für Freie Szene und zeitgenössiche Kunst in allen Sparten seit Jahren notorisch unterdotiert sind. Woher soll die Mehrförderung kommen, wenn das zur Verfügung stehende Geld nicht mehr wird? Gilt diese Förderung auch für Sonderförderprogramme wie "Linz Impuls", "Linz Export" oder "Stadt der Kulturen"? Wie wird das bei KünstlerInnenkollektiven und Vereinen gehandhabt?

Nunja, manches wird die Praxis zeigen. Jedenfalls ist Linz Kultur bei der Handhabung zu beobachten, damit der hier bekundete Wille zur vermehrten Förderung frei lizensierter (Kunst-)Produkte auch in die Realitität umgesetzt wird. Ich werde jedenfalls allen empfehlen, diese Mehr-Förderungsmöglichkeit zahlreich zu nutzen, z.B. beim im Jänner wieder stattfindenden Seminar Trainingslager Förderung in Kunst und Kultur.

Transparente Kulturförderung? Forderungen der Interessensvertretungen

Posted by andrea
11. November 2008 - 19:12

Dass mit der Kulturförderung einiges im Argen liegt, überrascht nicht in Österreich, einem Land, wo Kulturpolitik selten ein öffentliches Thema ist. Radio KUPF, die wöchtliche Radiosendung der Kulturplattform Oberösterreich, hat die Ausschreibung des KUPF-Innovationstopfes zum Thema "abseits" zum Anlass genommen, das Thema wieder einmal auf die Agenda zu setzen. Der KUPF-Innovationstopf ist wie TKIopen ein Modell für eine transparente Kulturförderung: Die Jury-Sitzung ist öffentlich, Kriterien sind klar, Ablehnungen werden begründet, im Vorfeld wird Beratung und Unterstützung angeboten, etc. Daran wird deutlich, dass die öffentlichen Verwaltungen noch gewaltigen Aufholbedarf haben. Wenn schon immer von "good governance" die Rede ist, dann muss das Transparenz im Förderbereich bedeuten!

Zum Nachhören: http://cba.fro.at/show.php?lang=de&eintrag_id=11068

Vier oder fünf Mythen übers Konzeptschreiben

Posted by andrea
31. Oktober 2008 - 18:03

Konzepte schreiben ist niemand in die Wiege gelegt - das merke ich selbst immer wieder, wenn ich Seminare zum Thema begleite, ganz besonderes im Trainingslager Förderungen in Kunst und Kultur, wo es darum geht, prägnante Projektkonzepte für Förderanträge zu stellen. Da kommt es einfach darauf an, es auf den Punkt zu bringen wofür das öffentliche Geld denn sein soll. Es reicht ganz einfach nicht aus, die eigene Idee toll zu finden - die anderen müssen es auch verstehen.

Christian Henner-Fehr beschäftigt sich in seinem Kulturmanagement-Blog damit, warum es so schwierig ist, ein Konzept zu erstellen. Er verweist auf eine Publikation von Sonja Ulrike Klug, die fünf Probleme nennt:

1. “Meine Zeit reicht nicht aus”
2. “Es ist viel zuviel”
3. “Ich blicke nicht durch”
4. “Ich bin nicht kreativ”
5. “Ich kann nicht schreiben”

"Ich bin nicht kreativ" höre ich zwar bei Kulturschaffenden nie, das würde wohl dem Selbstverständnis widersprechen, aber alles andere kommt mir sehr bekannt vor. Ich stelle aber auch fest, dass es fast alle in 2 Tagen Seminar schaffen ein passibles Projektkonzept für das eigene Projekt zu formulieren. Also gehts es oftmals einfach ums Tun, ums (strukturierte) Anfangen und sich Trauen. Beim nächsten Konzept gehts dann schon leichter, denn Konzepte schreiben ist etwas, dass man/frau wie andere Dinge auch einfach lernen kann.

Überleben im Förderdschungel - Infobroschüre über Förderungen in Kunst und Kultur aktualisiert

Posted by andrea
12. Oktober 2008 - 12:09

Die von mir in Zusammenarbeit mit KUPF - Kulturplattform Oberösterreich und Tiroler Kulturinitiative / IG Kultur Tirol verfasste Broschüre "Überleben im Förderdschungel" wurde aktualisiert. Diese Broschüre ist ein Kompendium über Kulturförderung in Österreich und geht auf die Bundes-, Landes- und kommunale Ebene ein. Es gibt zwei Mutationen: eine für Oberösterreich und eine für Tirol, jeweils mit detailierten Informationen zu den jeweiligen Landesförderungen; die Inhalte sind aber bundesweit relevant.