Die Supermarktkassierin Barbara E. wurde gekündigt, weil sie angeblich Leergutbons in den Höhe von € 1,30 unterschlagen hat. Das Urteil, dass diese Kündigung rechtens ist, wurde gestern in 2. Instanz bestätigt. In diesem Mitschnitt der ARD Tagesthemen ist diese Geschichte gut zusammengefasst und Barbara E. kommt auch zu Wort: "Die Großen läßt man laufen, die Kleinen hängt man". Barbara E. hat 30 Jahre bei ihrem Unternehmen "Kaiser's" gearbeitet und war gewerkschaftlich engagiert.
Eine gute Dokumentation des Falls findet sich bei Labour.net. Thialfi vom Blog "Tempel der Gaia" reflektiert in diesem Zusammenhang über Gerechtigkeit. Auch ich meine, dass hier offenbar "Dobble Standards" bestehen: Banker können Milliarden verzocken und der Verlust wird mit Steuergeldern ausgeglichen, eine Supermarktkassierin, die diese Steuergelder zahlt, schützt offenbar das Recht nicht. Das einzig erfreuliche ist, dass offenbar Gewerkschafter_innen ein Solidaritätskomitee gegründet haben.
Heute habe ich in der Linzer Landstrasse Aktivist_innen des Vereins gegen Tierfabriken getroffen und auch gleich gegen den Pelzverkauf bei der Firma Kleiderbauer unterschrieben. Pelze zum Anziehen sind ja wirklich sowas von unnötig und verursachen eine Menge an Tierleid. Ich kenne mich mit Tierrechtsfragen nicht im Detail aus, aber frage mich immer wieder, warum all diese Massentierhaltungen und Tierversuche nicht einfach verboten sind. Es ist ethisch völlig unhaltbar, denn Tiere sind zwar etwas anderes als Menschen, aber haben genauso eine eigene unverwechselbare Würde, die es unbedingt zu achten gilt. Letztlich geht es da nur um Geschäftsmacherei, Kapitalismus eben. Betroffen war ich auch von Beitrag Botox - Tierqual für eine fragwürdige Schönheit im Blog Mentio von Noah. Es ist einfach unglaublich, dass es sowas geben darf.
Erinnert wurde ich heute auch wieder an die Repressionen gegen Aktivist_innen des Vereins, denen vorgeworfen wird, Mitglieder in einer kriminellen Organisation nach § 278a zu sein. Die Folge: 3 Monate Untersuchungshaft und die Beschlagnahmung von Unterlagen des Vereins. Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch immer, das Verfahren ist also in Schwebe. Das ganze ist nicht nur eine offenbar konstatierte Aktion gegen unliebsame Aktivist_innen, sondern auch demokratiepolitisch höchst bedenklich - denn die Frage liegt nahe, wer die nächsten sind? Atomkraftgegner_innen, Gewerkschafter_innen, EU-Kritiker_innen? Auch hier gibt es eine Unterschriftenaktion, die ich vor längerer Zeit schon unterstützt habe.
Gerade eben mitgekriegt, ist schon ein paar Monate her, aber nichts desto trotz sehr berichtenswert: Der deutsche Komponist Johannes Kreidler hat ein 33 Sekunden langes Musikstück komponiert und dabei 70200 Fremdzitate verwendet, die Aktion nennt sich product placement. Er meldet dieses Musikstück bei der GEMA, der Verwertungsgesellschaft für Musikrechte in Deutschland, mit 70200 Einzelnachweisen an, die natürlich nur in einem Lastwagen passen. Aufgezeigt wird damit, dass das UrheberInnenrecht längst nicht mehr den gesellschaftlichen, künstlerischen und technischen Anforderungen entspricht. In der Begründung für diese Aktion heisst es:
Es ist ja längst keine rein juristische Angelegenheit mehr, sondern zunehmend auch eine ästhetische: Seit der medialen Allverfügbarkeit im Internet einerseits und dem zu Ende gegangenen Materialfortschritt in der Neuen Musik andererseits stellen sich mit jeder Klangverbindung die (unbeantwortbaren) Fragen: Was ist eigen, was ist fremd, was ist empirisch, was negierend, was ist semantisch, was Phänomen, ab welcher Länge hat etwas Zitatcharakter? Wie mit den Medien umgehen, da auf einem Medium zu sein ja bedeutet, selbst Medium zu sein? Das Werk ist Netzwerk. Was also ist heute Identität? Dem hinkt der GEMA-Formalismus so weit hinterher wie das Urheberrecht allgemein.
Mehr Information zum Künstler und zur Aktion, inklusive eines 15-minütigen Doku-Videos und Links zu Theorietexten und Presseberichten, gibt es auf der Website von Johannes Kreidler.
Der Verband österreichischer gewerkschaftlicher Bildung bietet im Internet Skripten zu interessanten Themen an. So gibt es dort z.B. etwas zum Arbeits- und Sozialrecht. Beim Arbeitsrecht findet sich auch ein Skriptum zum Thema atypische Beschäftigung - leider nicht alles aktualisiert (Änderungen gab es aber nur bei freien Dienstverträgen). Diese Skripten möchte ich allen empfehlen, die sich mit diesen Themen beschäftigen (müssen), da sie gut verständlich auch für EinsteigerInnen in die Materie sind.
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